Sonntag
15
Oktober 2017

Henzes opus1

Konzertmusik von 1944
von Michael Kerstan
Das Manuskript von Hans Werner Henzes opus 1: Konzertmusik für Solovioline und kleines Kammerorchester wurde im September 2017 von Sibylle Stier an die Hans Werner Henze-Stiftung übergeben. Die Einberufung der Beteiligten zum Arbeits- und Kriegsdienst im Januar 1944 hatte damals eine Uraufführung verhindert.

Am 25. September hat die Witwe des ehemaligen Konzertmeisters des Bayerischen Staatsorchesters, Kurt Stier, Sibylle Stier, das Manuskript an den Geschäftsführer der Hans Werner Henze-Stiftung, Michael Kerstan, übergeben. Es war ein bewegendes Ereignis, denn dieses Stück ist das erste Werk, das Hans Werner Henze je aus der Hand gegeben hat, mithin sein opus 1.

Er schrieb es im Alter von 17 Jahren von Dezember 1943 bis Januar 1944, und es wurde in Braunschweig mit den an der Staatsmusikschule verbliebenen sechzehn- bis siebzehnjährigen Studenten geprobt - die Besetzung sah als Solisten den Geiger Kurt Stier vor, und das Orchester bestand aus 2 Violinen, Viola, Violoncello, Kontrabass, Flöte, Oboe, Trompete, Posaune (oder ersatzweise Fagott). Die Streicher hätten auch doppelt besetzt werden können, sofern noch vorhanden. Da die jungen Musiker im Januar 1944 zum Arbeits- bzw. Kriegsdienst eingezogen wurden,konnte eine öffentliche Aufführung nicht mehr stattfinden.


Henze schreibt dazu in seiner Autobiografie auf Seite 41-42:

„Für Kurt Stier, den Geiger, der eines Tages Konzertmeister des Bayerischen Staatsoechesters in München werden sollte, schrieb ich ein kleines Concerto, dessen Manuskript sich noch heute in seinem Besitz befindet. Er hat es mir vor kurzem einmal in München gezeigt, daher weiß ich, wie unsäglich es ist. Es wurde ein einziges Mal von Kurtchen und den Kommilitonen während einer Mitagspause im Waschsaal unter meiner Stabführung durchgespielt und hat die Beteiligten, auch mich, denn doch recht kaltgelassen. Mein kompositorisches Bewußtsein lag da wirklich noch in seinen allerersten Anfängen.“